
Im August entscheidet sich deine Winterernte
Nicht der erste Frost gibt den Takt vor, sondern das Licht, das dir noch bleibt.

von JM Fortier, Marktgärtner & Bestsellerautor
Das Wichtigste
- Sind die Tage kürzer als 10 Stunden, wächst fast nichts mehr (im Süden Québecs um den 1. November). Rechne so zurück, dass jede Kultur bis dahin 70 Prozent ihrer Reife erreicht.
- Im Herbst werden die Tage bis zur Reife schnell länger: Am 5. Oktober gesät, braucht Tatsoi 35 Tage, am 15. Oktober gesät mindestens 50.
- Im August kommen Lagermöhren (in die Knoblauchbeete), Salanova, Grünkohl, Petersilie, Feldsalat und Winterpostelein in den Boden; Spinat und Rucola haben Zeit bis September.
- Zieh die Jungpflanzen für den Winter in 72er-Multitopfplatten vor, damit sie mehr Wurzeln bilden, und härte sie ab Mitte November ab.
Ob du im Winter ernten kannst, wird mitten in der Augusthitze festgelegt, wenn alle mit dem Kopf woanders sind. Im Herbst fehlt den Kulturen nicht die Wärme, sondern das Licht. Hier erzähle ich, wie wir die Pflanztermine für unseren Wintergemüsebau festlegen und welche Kulturen diesen Monat ein Beet verdienen.
Alles beginnt beim 10-Stunden-Tag
Die erste Regel im Wintergemüsebau: Werden die Tage kürzer als 10 Stunden, wächst fast nichts mehr. Auf der Ferme des Quatre-Temps in Hemmingford (Québec) ist das um den 1. November der Fall. Ab dann ist der Tunnel ein großer Kühlraum, aus dem wir nur noch ernten. Das Datum für deinen Standort ist schnell nachgeschlagen: in Montréal der 1. November, in Burlington der 5. November, in Paris der 29. Oktober, in Toulouse der 6. November.
Unsere Faustregel: Jede Kultur sollte bis zu diesem Stichtag 70 Prozent ihrer Reife erreicht haben. Nimm ihre Tage bis zur Reife, rechne 70 Prozent davon und zähl vom Stichtag zurück. Ein Tatsoi mit 35 Tagen braucht davon 25, er muss also spätestens am 7. Oktober in der Erde sein. Für Spinat (45 Tage) und Hakurei-Mairüben (60 Tage) ist der 30. September der letzte Termin.
Zehn Tage später gesät, Wochen später geerntet
Je näher der 1. November rückt, desto länger dauert es bis zur Reife. Am 5. Oktober gesät, ist Tatsoi wie im Sommer nach etwa 35 Tagen erntereif. Am 15. Oktober gesät, braucht er mindestens 50. Je nach Temperatur und Sonnenstunden können sich die Tage bis zur Reife sogar verdoppeln.

Bei Kulturen, die du mehrmals schneidest, etwa Salanova, Rucola und asiatisches Blattgemüse, plan zwei oder drei Aussaaten im Abstand von sieben bis zehn Tagen. Im Winter kannst du pro Pflanzung mit rund drei Schnitten rechnen.
Im Buch raten wir dir, diese Grafik für deine eigenen Kulturen zu zeichnen, sobald du einen Winter lang Notizen gemacht hast. Diesen ersten Winter erspart dir Heirloom jetzt. Öffne in den Datentabellen Direktsaat oder Auspflanzung und klick in der Zeile einer Kultur auf das Kurvensymbol. Die Kurve zeigt, wie viele Tage die Kultur bis zur Reife braucht, je nachdem, in welcher Woche du sie pflanzt, angepasst an das Klima deines Hofs, Tageslänge inklusive. Ausgangspunkt ist der Wert Durchschnittlicher TBR in der Zeile: Änderst du ihn, zieht die Kurve mit. Schaltest du bei einer Pflanzung Klima-angepassten TBR verwenden ein, verschiebt der Anbauplan ihr Erntedatum entsprechend.
Was im August in die Beete kommt
Den Anfang machen die Lagermöhren: Ende Juli gesät, unter dem Raupentunnel noch bis zum 10. August. Wir säen sie direkt nach der Knoblauchernte in die Knoblauchbeete, denn das Stroh, das monatelang darauf lag, hat das Beikraut kleingehalten. Geerntet wird ab November, über einige Wochen. Lagermöhren halten starken Frost aus und bleiben bis zum Schnee auf dem Feld, und sie werden so süß, dass auf dem Markt alle davon reden. Wir haben nie genug.
Draußen unter Vlies sind das unsere Termine im Süden Québecs: der 1. August für Löwenzahn, Komatsuna und Senposai, der 15. August für Grünkohl, Salanova, Feldsalat, Mangold und Brunnenkresse. Am 20. August folgt Winterpostelein (Claytonia), der ohne Vlies auskommt. Salanova ist die Basis unserer Wintersalatmischung und lässt sich bis zu viermal schneiden. Petersilie ist im Winter unverzichtbar geworden: Pflanz sie früh aus, spätestens am 30. August, auch in einem kaum beheizten Gewächshaus, dann stehen am 1. November riesige Pflanzen da. Spinat, unser Star im Winter, hat Zeit bis September, genau wie Rucola, asiatisches Blattgemüse, Rüben und Radieschen.
Wurzeln vor dem Frost
Eine Winterkultur braucht kräftige Wurzeln, bevor die Kälte kommt. Alles, was wir für den Winter auspflanzen, ziehen wir in 72er-Multitopfplatten vor statt in den 128ern, die wir im Sommer nehmen. So bilden die Jungpflanzen bei mildem Wetter ein größeres Wurzelsystem. Um Mitte November härten wir sie dann gezielt ab: Wir lassen das Vlies weg oder öffnen den Tunnel und lassen die Kälte nach und nach herein, bevor der richtige Frost kommt.

Das Vlies immer griffbereit
Unser Vlies, das P19, lässt 85 Prozent des Lichts durch und bringt 1,5 bis 2 °C (3 bis 4 °F). Wir legen es über Bögen, in den kältesten Nächten doppelt oder dreifach. Sind die Tage erst kürzer als 10 Stunden, bleibt es durchgehend liegen. Leg die Bögen gleich beim Pflanzen neben den Beeten bereit, nicht erst am Abend vor einer Frostnacht.
Der August ist anstrengend. Pflanz trotzdem: Im Dezember dankt es dir deine Kundschaft.
-JM
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